Expo 2010 in Shanghai

Groß, größer, gigantisch, Expo 2010 in Shanghai. Die Weltausstellung wurde zum Festival der Superlativen. Keine Expo zuvor, in 159 Jahren Geschichte der Mega-Austellung, reichte je an Shanghai 2010 heran.

Mit Fakten, Zahlen und unveröffentlichtem Material laden wir Sie zu einer Zeitreise in eine bessere Stadt und ein besseres Leben (Originalmotto: Better City, Better Life) in die ostchinesische Metropole Shanghai (Paris Asiens) ein.

Expo 2010 - Fakten und Zahlen

Große internationale Ausstellungen, unter der Federführung des BIE (Bureau International des Expositions), sind immer Events der Superlative. Die Weltausstellung 2010 fand in der Zeit vom 1. Mai bis 31. Oktober in Shanghai statt.

Acht Jahre der Vorbereitung auf das Superspektakel waren am Eröffnungstag seit dem Zuschlag durch den BIE vergangen. Wahrlich nicht viel Zeit, um in einer Megacity für einen Megaevent die Voraussetzungen zu schaffen.

Die Resonanz auf die Weltausstellung entsprach den hohen Erwartungen chinesischer Planer. Es nahmen 242 Aussteller aus 192 Nationen und 50 internationale Organisationen teil. Insgesamt wurden 73 Millionen Besucher gezählt. Ein neuer Expo-Rekord. Zum Vergleich, bei der Expo 2000 in Hannover waren es insgesamt nur "bescheidene" 18 Millionen Besucher.

Tageskarten wurden zwischen 17 Euro (160 Yuan) und 22 Euro (200 Yuan) gehandelt. Drei Tage kosteten etwa 44 Euro (400 Yuan) die Wochenkarte gab es für 99 Euro (900 Yuan). Zusätzlich mussten für abendliche Veranstaltungen Abendkarten für 10 Euro (etwa 90 Yuan) gekauft werden. Im Vorverkauf waren die Karten günstiger.

Viele Einwohner Shanghai's erhielten eine Freikarte. Sie diente zum Ausgleich für die Beeinträchtigungen, die die Bewohner durch die vielen Bauarbeiten hatten erdulden müssen.

Motto der Expo 2010 - bessere Stadt, besseres Leben

Thematisch war diese Expo auf die Urbanisierung des Lebens ausgerichtet. Ein zentrales Thema weltweit und ganz besonders für das bevölkerungsreiche China. Asien boomt seit Jahren. Asiatische Megacitys platzen aus allen Nähten.

Etwa die Hälfte aller heutigen Menschen lebt in Städten. Shanghai hat etwa 20 Millionen Einwohner. Die Prognose für China sagt aus, dass die Städte weiterhin rasant expandieren werden. Für die kommenden 30 Jahre, so prognostizieren es Chinas Stadtplaner, wird das Wachstum anhalten. Erwartet wird, dass etwa 450 Millionen Menschen zusätzlich vom Land in die Städte ziehen.

Die Herausforderungen dieser Entwicklungen sind riesig:

Wohin mit dem Müll? Wie den Energieverbrauch stillen? Lässt sich der Balanceakt zwischen Anziehungskraft und Apokalypse meistern? Was kann technologischer Fortschritt leisten?

Wer sollte die Probleme der Megacitys besser kennen und interessierter an Lösungen sein, als eine pulsierende Megacity? Shanghai gilt als Musterbeispiel für den Aufschwung Chinas. Die Stadt gilt als "das" Finanz- und Wirtschaftszentrum Chinas. In nur 20 Jahren verdreifachte sich die Zahl der Einwohner der Megacity.

Stadtplanung mit ökologischem Anspruch, Weitsicht und strategischem Denken fällt bei diesen Dimensionen nicht leicht. Der "Standardantwort" auf die Bevölkerungsansiedlung, immer neue noch höhere Häuser zu bauen, folgte mittlerweile eine Phase des Umdenkens. Schon länger hat Shanghai für sich erkannt, dass eine Wirtschaftsmetropole nicht nur aus Wolkenkratzern bestehen darf.

Erhaltenswertes Kulturgut, gewachsene Lebensgemeinschaften in den Stadtteilen sollen nicht länger dem Erdboden gleichgemacht werden. - Nur, um neuen Raum für Wolkenkratzer und Bürotürme zu schaffen.

Das Gelände - Flächenplanung

Um den Zuschlag als Veranstaltungsort für das Prestigeobjekt hatte Shanghai hart kämpfen müssen. Nun sollte die Chance genutzt werden, der Welt zu zeigen, dass "der Tiger" als Innovationsstandort erwacht ist. Dieser Megaevent sollte ein Zeichen setzen, dass China seinen Platz als Weltmacht beansprucht und verdient.

Mit Shanghai wurde das Paris des Ostens gewählt. Eine unterschwellige Parallele zu Paris in Frankreich, dessen Eiffelturm noch immer zu den Hauptattraktionen zählt, war nicht ganz ungewollt. Damals wie heute zählt die Weltausstellung zu den Besuchermagneten für Menschen und Kapital aus aller Welt.

Neue Geschäfte anzubahnen und evolutionäre Ideen der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, dazu bietet eine Weltausstellung den angemessenen Rahmen. Erwartet werden im Gegenzug natürlich epochale Neuheiten. Kein "klein in klein" und "aufgewärmter Kaffee", wie einst bei der Expo in Hannover.

Standortwahl - zentral gelegen mit bester Verkehrsanbindung

In einer Metropole zentral Platz für Großprojekte zu schaffen, ist eine Herkulesaufgabe für jeden Planer. Zusammenhängende Großflächen, die einer Weltausstellung den notwendigen räumlichen Umfang bieten, sind in Megacitys faktisch nicht vorhanden.

Gewählt wurde für die Expo 2010 in Shanghai ein zentrales ehemaliges Industriegelände der Stadt. Das gesamte Veranstaltungsgelände entsprach einer Fläche von 5,28 Quadratkilometern. Davon wurden 3,28 Quadratkilometer als geschlossener Bereich abgegrenzt. Zutritt in diesem Areal wurde nur mit Eintrittskarte gewährt.

Schattenseite der Expo 2010:

Die Schaffung der zusammenhängenden Fläche, nur 6 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, zählt zu den Schattenseiten der Expo 2010. Es wurden dafür 18.000 Familien, zum Teil gegen ihren Willen, umgesiedelt. Sogar die sonst der Obrigkeit treuen Asiaten standen dem Projekt nicht mehr ungeteilt positiv gegenüber.

Weniger kompliziert war es einige eingesessene alte Industrieanlagen zu verlagern. Die Gebäude wurden entweder abgerissen oder Teil der Weltausstellung.

Projekt Weltausstellung 2010 startet durch

Etwa Mitte 2006 war das Veranstaltungsgelände frei, um mit den Vorbereitungen für das ehrgeizige Projekt beginnen zu können. Ab Frühjahr 2007 sollten die ersten Hochbauten - Ausstellungshallen - entstehen. Das Areal erstreckte sich zu beiden Seiten des Flusses Huangpu. Die geschlossene Zone teilte sich durch natürliche Gegebenheiten. Etwa lagen 2,38 Quadratkilometer Fläche gehört zu Pudong und 0,9 zu Puxi auf.

Herausforderung II - Besuchertransport

Chinesische Großstädte sind städtebaulich modern konzeptioniert. Kleine verwinkelte Gassen, die das Stadtbild früherer Städte Chinas prägten, mussten der Verkehrsplanung und immer größeren Baukomplexen weichen. Um Besucher unterzubringen und an das Expogelände heranzuführen, dazu bot Shanghai von vornherein gute Bedingungen.

Auf dem Ausstellungsgelände sollte sich jedoch das Motto im Besuchertransport wiederfinden. Eingesetzt wurden auf dem Gelände 120 Elektrobusse für große Besuchergruppen. Hinzu kamen etwa weitere 100 kleinere Spezialfahrzeuge mit Elektroantrieb zwischen 4 und 11 Sitzen. Ein Problem für den Messeeinsatz stellte die Batterieleistung der Fahrzeuge dar.

Nur 100 km Reichweite war für einen ganzen Messetag und anschließend 8 Stunden Ladezeit einfach zu wenig. Gelöst wurde das Problem auf zwei Ebenen. Es kamen Wechselbatterien zum Einsatz. Zusätzlich konnte an einigen Haltestellen in der Expo-Avenue die Wartezeit für Kurzladungen bis zu 5 Minuten Ladezeit genutzt werden.

Logo & Symbolfigur - chinesische Kulturwerte

Symbolik genießt in Asien einen deutlich höheren Stellenwert, als in der westlichen Hemisphäre. So ist es nicht verwunderlich, dass das Logo der Expo 2010 voller Symbolkraft steckt. Gewählt wurde ein Logo, das dem Zeichen "shi" (?) - die Welt - sehr ähnlich sieht. In Wahrheit zeigt es drei in Harmonie vereinte Menschen.

Nicht weniger Symbolik fällt dem Maskottchen Haibao zu. Auffällig ist zunächst die namentliche Verbindung zu Shanghai durch die Silbe "Hai". Optisch sieht Haibao dem chinesischen Zeichen "ren" (?) sehr ähnlich. Haibao, was übersetzt Meeresschatz bedeutet, verbindet symbolisch Werte (Schatz) und die moderne Metropole mit dem Menschen.

Entdeckt wurde Haibao übrigens unter 26.655 Designentwürfen für das Expo 2010 - Maskottchen. Sein geistiger Vater stammt aus Taiwan und damit selbst aus einer Megacity.

Expo-Achse - in Pudong

Zentrale Hauptattraktion war, die bis heute erhaltene Expo-Achse, ein etwa 1000 Meter langer zentraler Boulevard. Der vom Ingenieurbüro Knippers Helbig und dem Architektenbüro SBA (Stuttgart) gebaute Expo-Boulevard gilt als größter Membranbau der Welt. Er verbindet den Haupteingang mit dem China-Pavillon (zentrales Bauwerk des Veranstaltungsortes), dem Expo-Center und den Themen-Pavillons.

Die Expo-Achse erstreckt sich über eine Baufläche von insgesamt 250.000 Quadratmetern. Der Membranbau überdeckt dabei eine Breite von 110 Metern auf zwei Ebenen. Bis zu 400.000 Menschen täglich nutzten die Achse, um das Gelände bis zum Huangpu-Fluss zu durchqueren.

Zentrale Pavillons - thematischer Überblick

Das Motto der Weltausstellung 2010 in Shanghai wurde unterteilt in unterschiedliche Schwerpunkte städtischer Entwicklung:

Urban Footprints:

Thematisch beschäftigte sich "Urban Footprints" mit dem ständigen Wachstum moderner Städte. Dargestellt wurde der "zentrale Faktor Wachstum" geschichtlich rückblickend, sowie perspektivisch. Das Konzept zum Pavillon Urban Footprints entstammt einer Idee des Shanghai-Museums.

Aufgeteilt war der Pavillon in vier Teilsegmente. Bezeichnet wurden die Räume als "Ursprung der Stadt", "Städtische Entwicklung" und "Weisheit der Städte". Die Eingangshalle symbolisierte die Stadt der möglichen Zukunft einer "idealen Fantasiestadt".

Urban Planet:

In zentraler Lage zeigte Urban Planet auf 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Komplexität der Urbanisierung. Vereint wurden in der Darstellung chinesische Denkansätze und westliche Denkstrukturen. Betont wurden sowohl verbindende Elemente des Miteinanders auf menschlichem Niveau, wie ebenso die Zerstörungskraft der Urbanisierung.

Elemente der Feng-Shui-Tradition erhoben die Urbanisierung auf ein sinnlich geistiges Niveau. Durch harmonisches Miteinander stehen - Einklang zur Natur, Spiritualität und modernes Leben nicht im Widerspruch.

Visualisiert wurde parallel eine "Road of Crisis". Sie zeigte die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. - Den ständigen Raubbau an der Natur, schwindende Rohstoffe und die Auswirkungen auf das Ökosystem.

Urban Dwellers:

Der Rundgang durch den Pavillon Urban Dwellers führte Besucher lebensnah zur urbanen Lebensweise von 6 repräsentativen realen Familien. Ihre Geschichten standen stellvertretend für das Leben in Großstädten auf allen Kontinenten des Planeten.

Dargestellt wurde die individuelle Wohnsituation, der Zugang zu Ausbildung und Arbeit. Ergänzend dazu zwischenmenschliche Beziehungen sowie das große Thema Gesundheit. Ideengeber der Ausgestaltung des Pavillon Urban Dwellers, war die niederländische Agentur des Designers Herman Kossmann.

Urban Beings:

Der Themenschwerpunkt Urban Beings betrachtet Städte aus einem ganz anderen Blickwinkel. Jede moderne Stadt ist wie ein lebender Organismus, etwa so ließ sich der Themenschwerpunkt umreißen. Wachsende Infrastruktur schafft Chancen aber auch Probleme. Gesund wachsende Städte verändern ständig ihr Verkehrsnetz sowie die Wasser- und Energieversorgung.

Der Standort des Pavillons, direkt neben der Lebensader der Expo 2010, der Expo-Achse, hätte symbolkräftiger nicht sein können. Das Geflecht des städtischen Organismus darzustellen, übernahmen federführend die "chinesische Akademie der Künste" sowie das "Land Design Studio London".

Realitätsnah verdeutlichte die Veränderungen ein dynamischer Bahnhof mit Zügen der unterschiedlichen Epochen. Auf 1000 Quadratmeter Leinwand boten 8-minütige Filme tiefe Einblicke in die verborgenen Bereiche der Städte.

Urban Dreams:

In die Welt urbaner Zukunftsvisionen lud der Themenpavillon "Urban Dreams" die staunenden Besucher ein. Thematisch aufgearbeitet wurden reale und fiktive Zukunftsvisionen moderner Städte. Dargestellt wurde ein optimistischer Ausblick auf die Chancen urbaner Entwicklung.

Nachhaltige Lösungen urbaner Probleme bezüglich des Wohnraums, Verkehrs, der Energieversorgung und menschengerechter Stadtplanung sind keine Utopien.

Zum Träumen und einem farbenfrohen Spektakel regte der Höhepunkt jeden Rundgangs durch den Pavillon Urban Dreams an. Utopien präsentierte ein, vor beeindruckender Kulisse gezeigter Animationsfilm.

Themenpavillon - größer Bau der Geschichte der Weltausstellung

Einen Teil der Themenpavillons brachten die Veranstalter in einem übergeordneten Gebäude unter. Dieses Ausstellungsgebäude gilt als größtes Bauwerk der Geschichte der Weltausstellung. Es umfasst ein Areal von 11,5 Hektar. Die Location des Baus hätte kaum zentraler gewählt werden können.

Der Gebäudekomplex, in denen die Themenpavillons zum Großteil untergebracht waren lag direkt an der Expo-Achse. Gegenüber stand das zentrale Gebäude der Weltausstellung, der chinesische Länderpavillon. Platz für die bereits genannten Themenpavillons bot das Gebäude auf etwa 80.000 Quadratmetern Gesamtausstellungsfläche.

Den zentralen Punkt des Megabaus bildete ein Multifunktionsraum, mit eigener Eingangshalle und einer Fläche von 7.000 Quadratmetern. Er verband jeweils direkt die einzelnen Pavillons. Fertiggestellt wurde das äußere Gebäude im September 2009.

Länderpavillons - die wichtigsten im Überblick

Chinesischer Pavillon

Der Pavillon des Gastgeberlandes entstand als Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs. Insgesamt beteiligten sich 344 Wettbewerber mit Eingaben. Die Entscheidung fiel im September 2007. Der chinesische Architekt He Jingtang setzte sich mit seiner "Krone des Orients", dem Wahrzeichen der Expo 2010, durch.

Das Gebäude wurde als zweiteiliger Pagodenbau konzipiert. Es gehört zu den Gebäuden, die nicht wieder abgebaut wurden und noch heute zu sehen sind. Eine Besonderheit liegt in der Farbwahl. Es wurden Rottöne gewählt, die früher der "verbotenen Stadt" vorbehalten waren. Aber, die Signalfarbe rot ist nicht das einzige Merkmal, das den chinesischen Pavillon zum Blickfang macht.

Mit seiner Höhe von 63 Metern überragt es alle anderen Länderpavillons deutlich. Vereint wurde der Stil traditioneller Holzpagoden mit modernen Werkstoffen. Die Pagode wurde nicht traditionell aus dem Material "Holz", sondern "Stahl" erbaut.

Symbolträchtig wurde die Verklammerung des Daches konzipiert. Es wird mit 56 Klammern gehalten, die jede für sich die ethnischen Nationalitäten verkörpern, aus denen sich China zusammensetzt.

Deutscher Pavillon - Beitrag aus Deutschland

Das Highlight der Expo 2010 in Shanghai war, nicht nur aus deutscher Sicht, der Pavillon aus Deutschland. Errichtet wurde er auf einer Grundfläche von 6000 Quadratmetern. Er befand sich in der Nähe der Lupu-Brücke, in der europäischen Sektion des Ausstellungsgeländes. Für das Projekt verantwortlich war die Koelmesse International.

Insgesamt kostete das Gebäude, als deutscher Beitrag zur Expo 2010, etwa 50 Millionen Euro. Im Vergleich zum China Pavillon mit einer Bausumme von etwa 167 Millionen Euro geradezu ein "Schnäppchen". Passend zum Veranstaltungsmotto repräsentierte das Gebäude die "Stadt im Gleichgewicht" oder treffender über kurz das Kunstwort "balancity".

Beschrieben wurde der deutsche Pavillon als dreidimensionale begehbare Skulptur. Grob teilte sich das Innere des Gebäudes in vier Ausstellungskörper auf. Jeder davon auf seine individuelle Weise unregelmäßig geformt. Erreicht wurden die einzelnen Bausegmente vom Expo-Plazza aus.

Bis in den dritten Stock durften Besucher auf ihrer Erlebnisreise durch das Gebäude vordringen. Erreichbar war die aufgebaute Städtewelt über Rollbänder und Rolltreppen oder einfach schlicht zu Fuß.

Im deutschen Pavillon - Eindrücke

Kernstück und Besuchermagnet war die Energiezentrale. Ein hoher Raum mit einer großen Leuchtkugel von drei Metern Durchmesser. Ihre 400.000 Leuchtdioden reagierten auf Geräusche. Gezeigt wurden auf der Kugel markante deutsche Städte, bei hohem Geräuschpegel veränderte sich die Kugel zu einem farbenfrohen Lichtspektakel. Konstruiert wurde das viel bestaunte technische Wunderwerk federführend von der Universität Stuttgart.

Das Innere des Pavillons prägten unterschiedliche Stadtlandschaften aus Deutschland. Nachgebildet wurde ein Park, eine Hafenlandschaft, eine Fabrik und sogar ein Stadtplatz. Für das leibliche Wohl sorgte ein Restaurant, das typisch deutsche Speisen und Getränke anbot. Verschiedene Ausstellungen sicherten sich unter der 12.000 m² großen Membranhaut ihren Platz.

Zahllose Veranstaltungen und Präsentationen deutscher Bundesländer fanden sowohl im Pavillon als auch auf dem weiteren Ausstellungsgelände statt. Die Städte Freiburg, Düsseldorf und Bremen präsentierten sich auf der "Puxi-Seite" des Weltausstellungsgeländes mit eigenen Aktivitäten.

Awards - der deutsche Pavillon gewinnt

Das deutsche Engagement auf der Expo 2010 in Shanghai blieb nicht unbelohnt. Die Rede ist nicht nur von endlosen wirtschaftlichen Kontakten der deutschen Exportindustrie. Es durften sich die Initiatoren des deutschen Engagements, über ihr Abschneiden im Wettbewerb um die Awards der Expo freuen.

Das deutsche Engagement wurde mit "red dot award", dem "Event-Award EVA in Gold" und dem "ADAM-Award in Silber" geehrt. Am letzten Tag der Veranstaltung wurde das Prunkstück der Anerkennung, der Golden-Award für die beste Umsetzung des Expo-Themas vergeben.

Diese Trophäe gestand die Expo-Leitung und das Expertengremium dem Beitrag aus Deutschland zu. Das deutsche Motto für "balancity" "Erneuern und Bewahren, Innovation und Tradition, Stadt und Natur, Gemeinschaft und Individuum, Arbeit und Freizeit." traf das Thema genau.

Hamburger House - Partnerstadt Hamburg

Das "Hamburg House" war ein weiterer Baustein des deutschen Engagements. Hamburg erhielt, exklusiv als deutsche Partnerstadt Shanghais, die Gelegenheit ein eigenes Bauprojekt zu verwirklichen. Das Thema "Urban Best Practice Area" setzte Hamburg durch die Errichtung eines Passivhauses um.

Das Hamburger House ist das erste zertifizierte Passivhaus Chinas. Der Baustil orientiert sich am Stil der Wohn- und Geschäftshäuser der HafenCity Hamburgs. Beim Bau wurden die klimatisch anderen Bedingungen Shanghais bedacht und einbezogen.

Mit dem Hamburger House trifft die Expo einen sich in China gerade erst entwickelnden Zeitgeist. Das Design europäischer Häuser trifft den Geschmack moderner Chinesen. Schönes Design und Energieeffizienz miteinander vereinen zu können, wird die Zukunft China prägen müssen. - Denn der Energiehunger der wachsenden Städte ist gigantisch.

Bei heutigem Wachstum muss China alle 5 Tage ein "500-Megawatt-Kraftwerk" ans Netz bringen, um den zusätzlichen Energieverbrauch zu stillen.

Schweizer Pavillon - mit der Seilbahn aufs Dach

Das Schweizer Projekt für die Expo 2010 wurde auf 4000 Quadratmeter Fläche verwirklicht. Ausgerichtet war der Pavillon auf das Thema "rural-urban interaction" frei übersetzt interaktive Verbindung zwischen Stadt und Land.

Insgesamt 25 Millionen CHF wurden in den Bau investiert. Herausgekommen ist ein hybrides Gebilde, das den Zusammenhang zwischen Natur und modernen Baumaterialien verdeutlicht. Etwa 4000 Pflanzboxen sorgten für natürliche lebende Begrünung.

Urban zeigte sich der Innenraum des Gebäudes. Für das Publikum erreichbar war der urbane Gebäudeteil über ein Rampensystem. An das Rampensystem schloss sich ein informativer Rundgang durch den großen Zylinder an.

10 Ferngläser luden Besucher dazu ein, einen "hochauflösenden Blick" in die Schweiz zu werfen. Eine weitere Rampe führte in das Innere des Hauptzylinders. "Face to Face" standen die Gäste dort lebensgroßen Obelisken gegenüber. Über Multimedia berichteten Schweizer aus ihrem Leben. Im Hintergrund dominierte eine Großprojektion. Sie warf Landschaftseindrücke aus der Schweiz auf die Wand.

Gezeigt wurden in einer 7-minütigen Dokumentation die Natürlichkeit der Berge und ebenso die Härte des Lebens im Einklang zur Natur. Auf dem weiteren Weg durch den Pavillon luden 40 zusätzliche Ferngläser zum 3d-Blick in die Schweiz ein. Das Highlight für Familien beim Besuch des Schweizer Pavillon war der Weg zum Dach.

Sehr zur Freude vieler Kinder ging es im Sessellift zum Dach hinauf. Auf dem Dach erwartete Besucher der natürliche Teil des Pavillons. Es bestand aus einer natürlich wirkenden Grünfläche mit bewusst eingefügten topografischen Unebenheiten. Begleitet wurde der Ausflug durch Musik des Komponisten Benedikt Schiefer.

Eine kleine Anekdote dazu:

Am Schweizer Pavillon und am deutschen Pavillon wirkten Mitarbeiter der Nüssli Gruppe über Jahre mit. Angeblich flog zum Eröffnungstag die Familie einer der europäischen Mitarbeiter nach Shanghai ein. Der stolze Papa zeigte seiner Tochter die Projekte, an denen er mitgebaut hatte.

Die kleine Tochter hörte sich alles in Ruhe an. Anschließend sagte sie, wenn Papa zwei Häuser für die Familie gebaut hätte, dann möchte sie sich aussuchen, wo sie einziehen. Sie entschied sich spontan für den Schweizer Pavillon, weil der so eine tolle Seilbahn hätte. Wie sich der Vater wieder herausreden konnte ist nicht überliefert.

Expo 2010 - was ist heute auf dem Gelände?

Die Expo 2010 ist nun schon seit vielen Jahren beendet. Shanghai wäre keine asiatische Stadt, wenn das Gelände in der einmal aufgebauten Weise fortbestehen würde. Wie immer in Asien wurde der Platz längst einem anderen Bestimmungszweck zugeführt. Hinweisschilder auf das Expogelände gehören trotzdem noch zum Stadtbild.

Die meisten der Pavillons sind jedoch längst verschwunden. Sie wurden verkauft, von den Heimatländern wieder abgebaut oder einer neuen Bestimmung zugeführt. Seit 2015 dient das Gelände als Standort vor allem für Dienstleistungsbetriebe.

Die noch bestehenden Hinweisschilder weisen auf die noch wenigen verbliebenen Bauten hin und auf das Expo-Museum. Im Museum wurde für die Nachwelt festgehalten, wie das Expo-Gelände vom 1. Mai bis 31. Oktober 2010 tatsächlich aussah.

Die von Volvo seiner Zeit gelieferten Elektrobusse sind zum großen Teil noch heute in den Straßen von Shanghai unterwegs. Sie wurden nach Ende der Weltausstellung in das Netz des öffentlichen Nahverkehrs eingegliedert.