Chinesische Kamerateams in Köln, Berlin, München, Stuttgart, Mainz, Frankfurt und Shanghai

Personalsuche 2009 in Shanghai: CCTV-Filmcrew mit dem Kölner EXPO-Team (Zweite von links: Julia Mok-Russo, daneben Joel Willers, Urte Fechter und Marion Conrady)

Der Kölner Künstler Gunter Demnig im Interview mit chinesischen Fernsehjournalisten

Wider das Vergessen: Gunter Demnig erinnert mit seinen „Stolpersteinen“ an die Opfer des Nationalsozialismus.

Kameramann mit Berliner Schulkindern

In Stuttgart wird die interaktive Kugel für die Show in der „Energiezentrale“ getestet und programmiert.
“Das ruhige und glückliche Stadtleben in Deutschland hat uns tief beeindruckt”, so bringt ein Mitglied der Filmcrew des News Film Centers von CCTV seine Eindrücke von Deutschland auf den Punkt. Das News Center dreht im Auftrag der chinesischen EXPO-Veranstalter eine Dokumentation über die Entstehung der Weltausstellung. Beim Bericht über den Deutschen Pavillon richtet sich der Fokus auf die Rekrutierung und spätere Schulung der rund 200 Hosts und Hostessen, die fließend Chinesisch,Deutsch und Englisch sprechen können müssen. Nach Drehs der Vorstellungsgespräche in Shanghai dokumentierte das Team im Juli einen Tag lang das Auswahlverfahren in Köln – eine echte und erste Belastungsprobe für die Bewerber und Bewerberinnen, die unter ständiger Beobachtung der Kamera sowohl im Vorstellungsgespräch als auch im Sprachtest standen. Die Dreharbeiten werden mit den Personalschulungen im März 2010 fortgesetzt.
Bereits im Juni 2009 hatte ein Team des Hongkonger Senders Phoenix CNE Köln besucht, um das EXPO-Team der Koelnmesse International bei seinen Vorbereitungen zu beobachten. Geschäftsführer Dirk van der Coelen erläuterte den Journalisten die Hauptaufgaben der Kölner Durchführungsgesellschaft. „In enger Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium überwachen wir die Umsetzung des Pavillonkonzepts, aber wir werden auch den Pavillon 2010 managen, angefangen bei protokollarischen Aufgaben über die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum Personalmanagement“. Die Reportage über die Koelnmesse International und die EXPO-Vorbereitungen wurde bereits im August 2009 ausgestrahlt (
hier anzusehen).
Sechs Tage mit zwölf Stationen waren ein straffes Programm für die vier Teams aus Peking, Shanghai, Guangzhou und Hangzhou, die im September 2009 auf Einladung des Auswärtigen Amtes nach Deutschland kamen, um über balancity zu berichten. Von Köln, wo ein erstes Treffen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der Koelnmesse International stattfand, über Krefeld, wo die Firma Verseidag die Pavillonfassade fertigt (siehe unsere Rubrik "
balancity entsteht"), ging es nach Berlin („Stolpersteine“ und Heinrich-Hertz-Institut, das eine berührungslose Gestensteuerung für den Pavillon entwickelt hat), von dort nach München zu einem Stadtspaziergang mit den Architekten des Deutschen Pavillons von Schmidhuber +Kaindl, weiter nach Esslingen zur Firma Festo und nach Stuttgart zum Testaufbau der interaktiven Kugel in der Energiezentrale, für die die Agentur Milla und Partner verantwortlich ist. Letzte Station war das Rhein-Main-Gebiet mit Mainz und einem Besuch bei der Firma Schott (siehe unsere Rubrik „
Partner & Sponsoren") und Frankfurt, wo die Teams eine Schrebergartensiedlung besuchten – Thema im Pavillonraum „Der Garten“.
Die Begegnung, die die neun Journalisten, Moderatoren und Kameramänner am stärksten beeindruckte, so die einhellige Meinung, war die mit dem Künstler Gunter Demnig. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, dieser Satz über das Vergessen aus dem jüdischen Talmud inspirierte den Kölner zu seinem Projekt der „Stolpersteine“, mit dem er die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Bild deutscher Städte und in Europa verankern will. Demnigs Stolpersteine sind pflastersteingroße Gedenktafeln, die der Künstler an den ehemaligen Wohnorten von NS-Opfern ins Trottoir einsetzt. Tausende dieser Steine, die Demnig mit einer Messingtafel einschlägt und in die er neben ihren Namen die Schicksale der Opfer eingraviert, hat er inzwischen verlegt und damit ebenso viele Anlässe geschaffen, der Verfolgten und Ermordeten des Nazi-Regimes zu gedenken. Das urbane Kunstprojekt, das frei von jeder staatlichen Unterstützung Generationen verbindet und das deutsche Stadtbild verändert, ist eines der Beispiele für Kunstprojekte im öffentlichen Raum, die im Pavillon im „Atelier“ gezeigt werden.
Jeder kann sich an dem Projekt beteiligen: für 95 Euro kann man eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen.
Die chinesischen Journalisten trafen Gunter Demnig in Berlin, wo er im Stadtteil Schöneberg an zwei Stellen insgesamt neun Steine für drei Generationen einer jüdischen Familie verlegte. Begleitet wurde er von einer Schöneberger 6. Klasse, die jüdische Lieder sang und die Geschichte der jüdischen Familie erzählte. Besonders bewegend war die Begegnung mit einer Überlebenden dieser Familie: sie war während der Nazi-Zeit als Achtjährige zwangsweise nach England verschickt worden, wo sie in einer katholischen Familie aufwuchs. Für die Verlegung der Stolpersteine für ihre Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel war sie mit Mann und Töchtern aus England nach Berlin gekommen.
Zusammenarbeit
Koelnmesse International und staatliche chinesische Dokumentarfilm-Kommission (CDFC) unterschreiben Letter of Intent

Pavillondirektorin Urte Fechter (Koelnmesse International) und Generalsekretär GONG Jiju (CDFC)
Es hatte bereits in Vorgesprächen Interesse an einer Zusammenarbeit mit der CDFC gegeben, um das Thema des Deutschen Pavillons balancity, bei dem es um die Balance von Mensch, Umwelt und Stadt geht, prominent in der chinesischen Fernsehlandschaft zu positionieren. Mit der Unterzeichnung eines Letters of Intent im Sommer 2009 gaben beide Partner ihrer zukünftigen Zusammenarbeit eine erste offizielle Grundlage. Für den Deutschen Pavillon bedeutet diese außergewöhnliche Partnerschaft einen direkten Zugang zum chinesischen Fernsehen. Erstes Projekt der Zusammenarbeit war die Unterstützung der Drehreise in Deutschland im September 2009 durch die Empfehlung engagierter Fernsehjournalisten und Kameramänner aus China.