… Urte Fechter, Direktorin des Deutschen Pavillons und Projektleiterin bei der Koelnmesse International GmbH

Richtspruch: Pavillondirektorin Urte Fechter beim Richtfest in Shanghai im Juli 2009
1. Das deutsche Brauchtum rund um ein Richtfest ist in China unbekannt. Wie ist das Fest bei den Chinesen angekommen?Erstklassig! Am 8. Juli, dem Tag, an dem wir das Richtfest des Deutschen Pavillons gefeiert haben, war es sehr, sehr heiß in Shanghai. Entsprechend herausfordernd war es, sich die Aufmerksamkeit der Gäste zu sichern. In dem Moment aber, in dem der Projektleiter unseres Bauunternehmens in voller Zimmermannskluft inklusive Hut und Weste die Bühne betrat, richteten sich alle Augen der rund 600 Gäste und Kameraobjektive der zahlreichen Medienvertreter auf ihn. Noch größer war das Oho, als er seinen Richtspruch in Versform aufsagte, ein Glas Schnaps leerte und es am Boden zerschmetterte, gefolgt von den Richtsprüchen und Gläsern der anderen deutschen und chinesischen Honoratioren. Am Ende wurde die Richtkrone unter großem Hallo und Applaus nach oben gezogen – ein voller Erfolg also. Die „Shanghai Daily“ berichtete am nächsten Tag unter der sehr passenden Überschrift „Germany pavilion’s smash hit“ über das deutsche Richtfest in Shanghai.
2. Sie waren für die Koelnmesse International GmbH schon Direktorin des – von den Veranstaltern ausgezeichneten – Deutschen Pavillons auf der EXPO 2005 in Aichi / Japan. Was sind die größten Unterschiede beider Weltausstellungen?Im Vergleich zur EXPO in Aichi 2005 ist die Weltausstellung in Shanghai eine Veranstaltung der nie da gewesenen Superlative – quantitativ wie qualitativ. Noch nie wurden 70 Million Besucher erwartet, noch nie gab es mehr als 240 Teilnehmer. Auch die Größe des Deutschen Pavillons mit 6.000 Quadratmetern hat es so noch nie gegeben. Entsprechend umfangreich sind unsere Vorbereitungsarbeiten. Die Vorstellungsgespräche für das Pavillonpersonal haben wir beendet, jetzt geht es an die Vertragsabschlüsse. Rund 200 Hosts und Hostessen werden die Besucher betreuen – fast zehnmal mehr als in Japan. Hinzu kommt ein gutes Dutzend technisches Personal, das die Show in der Energiezentrale steuern wird, und die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pavillonrestaurants, das im Vergleich zu Japan dreimal so viele Plätze haben wird. Wir merken auch in der Vorbereitung, dass die Aufmerksamkeit von Presseseite, aber auch aus Wirtschaft und Politik die für Japan bei weitem übersteigt. Da wir das Gebäude in Shanghai selbst bauen, konnten wir zudem eine Pavillonbühne einplanen, auf der sich zahlreiche kulturelle Events abspielen werden. Anders als in Japan wird ein kulturelles Rahmenprogramm von uns vorbereitet, das es in dieser Ausführlichkeit und Qualität bei den vorigen EXPOs nicht gegeben hat.
3. Haben Sie "nur" den Deutschen Pavillon im Blick oder konnten Sie vor Ort schon sehen, was die anderen Länder auf dem EXPO-Gelände bauen?Ja, ein bisschen was ist dort bereits zu sehen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es aber auch eine so genannte European Working Group unter deutscher Leitung. Dort stimmen sich die europäischen Teilnehmerländer ab, wenn es um organisatorische Fragen beim Bau oder dem späteren Betrieb gibt – auch um ähnliche Probleme gemeinsam mit den chinesischen EXPO-Veranstaltern zu besprechen. Entsprechend eng ist der Kontakt zu anderen europäischen und auch außereuropäischen Ländern. Unsere direkten Nachbarpavillons sind die der Schweiz, Frankreichs und Polens. So wissen wir natürlich auch, wie weit die anderen Länder in ihrer Vorbereitung sind und was sie für die EXPO 2010 planen, wobei wir schon mit Stolz sagen können, dass im Vergleich zu anderen Pavillons der Deutsche besonders weit gediehen ist.

Pavillon-Passanten – die Baustelle von balancity in Shanghai