Innovatives und strapazierfähiges Mesh für den Deutschen Pavillon

Probeaufbau: Die Pavillonkonstruktion wird mit einem silbrig glänzenden Kunststoffgewebe überzogen.

Zerreißprobe: Joel Willers, stellvertretender Pavillondirektor (Koelnmesse International, links) und Architekt Florian Özdikmen (Schmidhuber + Kaindl) begutachten das Fassadenmaterial.
Als innovatives Material für die Pavillon-Fassade kommt ein luftdurchlässiges Mesh mit einer metallischen, silberfarbigen Oberfläche zum Einsatz, das die Krefelder Firma Verseidag (= Vereinte Seidenwebereien) Indutex GmbH speziell für den Bau in Shanghai entwickelt hat. Auf Grund seiner Eigenschaften kann dieser Kunststoff-Webstoff die Sonneneinstrahlung und ihre Energie reflektieren. „Im Vergleich zu konventionellen Konzepten mit einer Hülle aus steifen Materialien wie Stahlblech, Aluminium, Glas oder Faserzement hat diese Membrane ein sehr niedriges Eigengewicht, das es in Kombination mit seiner Flexibilität ermöglicht, großflächige und geometrisch komplexe Formen wie die des Deutschen Pavillons wirtschaftlich und dennoch clever umzusetzen,“ erklärt Florian Özdikmen von Schmidhuber + Kaindl die Gründe für die Materialwahl. Der Architekt hat sich auf das Thema textile Architektur spezialisiert und betreut als Projektleiter das Pavillonprojekt in Shanghai seit mehreren Monaten.
Anwendung finden solche textilen Materialien seit einiger Zeit auch im Stadienbau. Denn weniger Gewicht bedeutet auch ein weniger belastetes Fundament, bei dessen Realisierung man Material und so Geld sparen kann. Das Fugenbild wird mit der Kunststoffbespannung soweit wie möglich reduziert, wodurch erst die architektonische Idee von homogenen Kuben realisierbar wird. Das Material aus Krefeld, der „Stadt des Samts und der Seide“ mit jahrhundertealter Webtradition, ist fertig für den Versand nach Shanghai.
Vor Ort wird das Material von der Firma Taiyo vorkonfektioniert und zusammengeschweißt. In den kommenden Wochen wird es dann mit etwa 50 bis 150 Zentimetern Abstand über die Ausstellungskörper gespannt und wirkt wie eine zweite Haut, die sie beschattet. Wegen ihrer offenporigen Netzstruktur wird außerdem ein Hitzestau vermieden. So trägt die Hülle dazu bei, die Kühllasten im Ausstellungskörper zu reduzieren, was Energie bei der Klimatisierung spart. Und nicht zuletzt sieht sie schön aus, denn der warme Silberfarbton reflektiert das Sonnenlicht und lässt die Fassade auf den unterschiedlich geneigten Flächen kontrastreich metallisch leuchten. „Das offenporige Gewebe lässt je nach Betrachtungswinkel die Membrane mal transparenter, mal geschlossener erscheinen und gibt der Fläche ein Eigenleben“, so Özdikmen weiter. „Man erahnt die Struktur darunter und dahinter. Daraus entsteht eine Mehrdimensionalität, die den Körpern Tiefe gibt und sie leichter erscheinen lässt – erst so können wir die architektonische Idee der schwebenden Ausstellungskörper von balancity umsetzen.“ Das Mesh kann nach Rückbau des Pavillons zu kleineren Schattendächern und sogar Taschen umgearbeitet werden, was wiederum dem Gedanken der Nachhaltigkeit entspricht.