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Vorschlag Hörfunkbeitrag (Langversion)

16.04.2008

 

Sprecher

Wenn am 1. Mai 2010 die EXPO in Shanghai ihre Tore öffnet, erwarten die Verantwortlichen einen wahren Besucher-Ansturm: 70 Millionen Gäste, so die Schätzung, werden die Weltausstellung in den sechs Monaten ihrer Dauer bis zum 31. Oktober besuchen – ein Schnitt von rund 380.000 pro Tag. Damit wäre die EXPO 2010 mit Abstand die größte aller Zeiten. Das gilt auch für den deutschen Beitrag, weiß der Generalkommissar des deutschen Pavillons, Dietmar Schmitz aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

 

Dietmar Schmitz

Generalkommissar des Deutschen Pavillons

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

"Für Deutschland ist es die größte EXPO-Beteiligung aller Zeiten, wir haben einen Etat von 50 Millionen Euro zur Verfügung. Wir wollen den chinesischen Besuchern ein attraktives Konzept bieten und natürlich möglichst vielen chinesischen Gästen die Besichtigung des deutschen Pavillons ermöglichen. Und wir hoffen mit einem attraktiven Konzept dazu beizutragen, dass wir auch in China als Bundesrepublik Deutschland eine hohe Anerkennung finden."

 

Sprecher

Das Motto in Shanghai: „Better City, Better Life“. Rund 200 Nationen werden in ihren EXPO-Auftritten der Frage nachgehen, wie sich das urbane Leben im 21. Jahrhundert besser gestalten lässt. Für Organisation und Betrieb des deutschen Pavillons greift das Bundeswirtschaftsministerium auf bewährte Kräfte zurück: Für die Auslandsspezialisten von der „Koelnmesse International“ ist Shanghai nicht das erste Weltausstellungs-Projekt. Geschäftsführer Dirk M. van der Coelen weiß um die Ansprüche an das deutsche Konzept für die EXPO 2010.

 

Dirk M. van der Coelen

Geschäftsführer

Koelnmesse International GmbH

"Es muss eine sehr hohe Akzeptanz bei den Besuchern haben, das ist unsere oberste Zielsetzung. Voraussetzung dafür ist natürlich ein kreatives Konzept, Voraussetzung dafür ist aber insbesondere ein gut funktionierendes Team, das sich ja aus vielen Bereichen zusammensetzt: Architekten, diejenigen, die den Bau des Pavillons organisieren, die Kreativen, uns als Organisierer, das Bundeswirtschaftsministerium - das muss alles sehr gut zusammengreifen, und dann wird so ein großes Projekt auch erfolgreich sein."

 

Sprecher

Seit Mitte März steht das Konzept für die deutsche EXPO-Beteiligung: „balancity“ wird der Pavillon heißen, mit dem sich die Bundesrepublik der Welt präsentieren - und den chinesischen Erwartungen stellen wird. Die sind hoch, gilt Deutschland im Reich der Mitte doch als Vorreiter in Sachen Stadtplanung und –entwicklung, insbesondere in den Bereichen ökolgisches Bauen, Umweltschutz und alternative Energiegewinnung. Die Sinologin Dagmar Gürtler hat das deutsche EXPO-Team bei seinen Vorbereitungen beraten.

 

Dr. Dagmar Gürtler

Interkulturelle Beratung

Compass International

"Mit dem Konzept der "balancity" trifft man absolut den Nerv der gegenwärtigen Suche und der Bedürfnisse in China. Es gibt in China die Parole von den drei großen Unterschieden, die es zu überwinden gilt: Das ist zum einen die große Kluft, die man sieht, zwischen Industrie und Landwirtschaft, dann die große Kluft zwischen Kopfarbeit und rein körperlicher Arbeit - und dann diese ganz, ganz große Kluft zwischen Land und Stadt.

Und wenn in dem Deutschland-Pavillon gerade diese Aspekte - also dass man das Landleben, das Dörfliche, das Kleine, die ruhige Taktung, die Vergangenheit, die Tradition wieder mitintegriert, dann trifft man da genau das, was in China zur Zeit ansatzweise auch schon sehr, sehr andiskutiert und gesucht wird."

 

Sprecher

Konzpiert wurde „balancity“ von einer Arbeitsgemeinschaft aus Ausstellungs- und Kommunikationsspezialisten, Architekten und Pavillonbauern. Der Name – ein Kunstwort aus den Begriffen „Balance“ und „City“ – ist Programm: Im deutschen Pavillon präsentieren seine Macher eine Stadt im Gleichgewicht – zwischen Erneuern und Bewahren, Urbanität und Natur, Gemeinschaft und Individuum.

Luftig und transparent gestaltet, beherbergt „balancity“ eine Vielzahl von urbanen Lebensräumen, die seine Besucher nach und nach durchlaufen. Begleitet werden sie auf ihrer Entdeckungsreise von zwei virtuellen Protagonisten: einem jungen Deutschen, der seiner chinesischen Freundin seine innovative deutsche Heimat zeigt. Peter Redlin und sein Team aus Kommunikations-Spezialisten von „Milla und Partner“ stehen hinter der Idee für „balancity“ und seine Hauptdarsteller.

 

Peter Redlin

Kreativ Direktor

Milla und Partner

"Vom Anfang an leiten sie eigentlich in die Geschichte ein und begleiten den Besucher auf seiner Reise durch den Pavillon. Das ist für uns einfach ein sehr schönes Stilmittel, um die unterschiedlichen Kulturen abbilden zu können. Jens, der Mann, zeigt ganz begeistert sein Deutschland aus seinen Augen - und sie sieht das, sie nimmt das an. Aber sie fragt auch. Und dadurch entsteht natürlich ein ganz spannender und charmanter Dialog zwischen den Kulturen."

 

Sprecher

Zu den Pavillon-Stationen gehört etwa der „Hafen der Projekte“: ein tiefblauer Unterwasserraum mit Wassergeräuschen und Reflexionen, der sich in die Hamburger Hafencity öffnet – als Beispiel für ein zukunftsweisendes Städtebauprojekt. Oder das „Archiv der Erfindungen“: Regalartige Strukturen in einem rot schimmernden Raum sind bis unter die Decke mit deutschen Design-Produkten und innovativen Entwicklungen für ein besseres Wohnen und Leben in der Stadt gefüllt.

Lennart Wiechell von „Schmidhuber und Kaindl“ ist Projektleiter für die Architektur des Pavillons – er erläutert das Konzept.

 

Lennart Wiechell

Projektleiter Architektur

Schmidhuber + Kaindl

"Die Architektur gibt in unseren Augen der Ausstellung eine Hülle, sie moderiert die Ausstellung und gibt ihr einen Raum, sich darin zu entfalten. Die Architektur folgt der klassischen Typologie der "Promenade d'Architecture", die einen Weg beschreibt, einen Weg durch verschiedene Räume und Atmosphären, die sich gegenseitig abwechseln und wie eine lange Promenade dem Besucher erscheint."

 

Sprecher 

Der Höhepunkt von „balancity“ ist die „Energiezentrale“. In der Mitte eines runden hohen Raumes, um den wie eine große Spirale die Besucher-Galerie verläuft, hängt eine große, eintausend Kilogramm schwere Kugel an einem Pendel. Nach und nach setzen die Besucher die Kugel durch gemeinsame Aktionen in Bewegung – mit 30.000 LEDs besetzt reagiert sie mit visuellen Impulsen und Bildern auf die Aktionen: deutsche Beiträge zum EXPO-Thema „Better City, Better Life“.

 

Peter Redlin

Kreativ Direktor

Milla und Partner

"Das ist etwas, eine Form von Interaktion, die man eigentlich selten sehen kann. Das ist fast wie ein Chorerlebnis oder wie ein gemeinsames Karaoke-Singen. Oder das ist eine La Ola-Welle - im weitesten Sinne ist das etwas gemeinsam - und ich glaube da sind die chinesischen Besucher auch ganz besonders aufgeschlossen - etwas gemeinsam zu einem Erlebnis, ja fast zum Explodieren zu bringen."

 

Sprecher

Rund zwei Jahre hat das deutsche EXPO-Team jetzt Zeit, „balancity“ Wirklichkeit werden zu lassen – denn noch exisitiert der deutsche Beitrag für Shanghai erst auf Skizzenblöcken und in Computer-Animationen.

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